Denn was viele nicht wissen: Auch wenn bei einer verstopften Nase oft nur an Schleim gedacht wird, spielt in Wahrheit die Funktion der Nasenschleimhaut selbst – insbesondere ihre Durchblutung, Zellregeneration und Reizverarbeitung – eine viel größere Rolle.
Besonders spannend wurde es, als Wissenschaftler begannen, die Unterschiede zwischen Menschen mit dauerhaft freier Nasenatmung und jenen mit chronischer Nasenverstopfung systematisch zu erforschen. In groß angelegten internationalen Studien, die parallel auf drei Kontinenten durchgeführt wurden – in Europa, Asien und Nordamerika – kamen die Forscher zu einem klaren Ergebnis: Die Schleimhäute von Betroffenen zeigen eine gestörte Zellaktivität, eine verlangsamte Regeneration und eine Überempfindlichkeit gegenüber eigentlich harmlosen Reizen.
So verglichen etwa Dr. Elise Maillard von der Universitätsklinik Bordeaux und Prof. Kenji Watanabe von der Kyushu Universität in Japan die Nasenschleimhautstruktur von zwei Gruppen – Menschen mit freier Atmung und Menschen mit dauerhaft verstopfter Nase.
Das Ergebnis: Bei der Gruppe mit chronischer Verstopfung waren die Mitochondrien – die „Energiekraftwerke“ der Zellen – deutlich weniger aktiv. Gleichzeitig war die Durchblutung der Schleimhaut verringert, was zu anhaltender Schwellung und Reizüberempfindlichkeit führte – selbst ohne akute Erkrankung oder Allergie.
Und, fast noch gravierender: Selbst bei Menschen, die vorher nie über eine verstopfte Nase geklagt hatten, konnte eine Veränderung in der Schleimhautfunktion – zum Beispiel nach einem Infekt oder längerer Belastung durch trockene Luft – den Beginn einer dauerhaften Verstopfung auslösen.
Die Wissenschaft war elektrisiert: Die Fähigkeit der Schleimhäute, Reize zu regulieren und sich selbst zu regenerieren, spielt offenbar eine entscheidende Rolle bei der Entstehung – und der Vermeidung – chronisch verstopfter Nasen.
Doch um daraus wirklich wirksame neue Ansätze zu entwickeln, mussten die Forscher zunächst herausfinden, wie man diese gestörten Prozesse gezielt wieder in Gang setzen kann.
Eifrig machten sich Forschungsteams auf der ganzen Welt ans Werk – und stießen dabei auf eine Methode, die zunächst aus ganz anderen Bereichen der Medizin stammt: Die sogenannte Photobiomodulation – also die gezielte Stimulation des Gewebes mit sanftem, sichtbarem Rotlicht – zeigte in ersten Studien eine erstaunliche Wirkung auf die Schleimhäute der Nase.